Vipassana –
ein Erfahrungs­bericht

10 Tage Vipassana Retreat

Engelsgleich, ganz in weiß gekleidet stehe ich vor dem kleinen grünen Tuck Tuck, bereit zur Abfahrt. Innerlich bereits auf Abschied und Neues eingestellt, warte ich ein wenig ungeduldig auf meinen Fahrer. Er soll mich ins Vipassana Retreat bringen, ist jedoch nahezu ahnungslos, wo genau das sein soll. Wild mit den Armen gestikulierend in einer Sprache die ich nicht verstehe, tauscht er sich mit dem Besitzer meines Guesthouses in Kandy aus. Ich beobachte die Szene mit einem schmunzeln.

„Madame, Rockhill Meditation.“, fragt er erneut. Hach wie ich dieses Madame und Sir angespreche liebe, denke ich mir und erwieder zum xten mal: „Yes, Rockhill Hermitage Meditation Center.“ Kurz abwartend probiere ich einen erneut Anlauf, um die Situation zu beschleunigen: „It is fine. No worries, I can guide us with Google maps.“ Nach etwa 10 Minuten lenkt mein Fahrer resigniert ein und widmet sich meinem Gepäck.

Bevor es nun endgültig los geht und ich mein kleines Gefährt besteigen kann, drehe ich mich noch kurz zu meinem Ehemann um, der die Situation ebenso schmunzelnd beobachtet hat. Ich vergraben meinen Kopf an seinem Hals, gebe ihm eine innige Umarmung, gefolgt von einem zärtlichen Kuss. Zum Abschied hauche ich ihm noch ein „Ich liebe dich und bis in 10 Tagen“ ins Ohr. Ich war noch nie ein Freund von Abschieden und die Zeit wird sicher schnell rum gehen. Dachte ich damals noch.

Meinen Gedanken nachhängend ruckelten wir  nun endlich los, 45 Minuten unbekannte Straßen lagen vor uns. Dank Google maps wegte ich mich jedoch in Sicherheit und genoss den kühlen Fahrtwind auf meiner Haut. Die Minuten vergingen und nach nicht mal der der Hälfte des Weges entpuppte sich mein technischer Begleiter als nicht unbedingt optimalste Lösung. Ohne Vorwarnung schickte er uns „off road“, über unbefestigte Straßen, den Berg rauf und runter. Mein Gefährt jaulte bei jedem Anstieg und meine Angst, dass tuck tuck des armen Mannes nun endgültig zu zerstören stieg von Schlagloch zu Schlagloch. Der arme Kerl, setzte er doch sein gesamtes Vertrauen in mich und meinen technischen Freund Mr. Google. Die Zeit rannte, die Sonne ging immer weiter unter und befestigten Straßen weit und breit nicht zu erahnen. Ich musste was unternehmen, noch so ein Weg und wir würden stecken bleiben. „Stopp“ rief ich meinem Fahrer zu und probierte ihm irgendwie meine Sorge zu erklären. Glücklicherweise kam uns ein vergnügter Einheimischer zu Hilfe, vermutlich hat er unsere Unsicherheit gerochen und erklärte meinem treuen Fahrer einen einfacheren Weg. Erleichterung stieg in mir auf, als wir nach einigen zerrenden Minuten endlich wieder befestigte Straßen erreichten.

Nach ca. 1 1/2 Stunden abenteuerlicher Fahrt, hatte ich es dann auch endlich geschafft. Mein Tuck Tuck Fahrer war sichtlich erleichtert mich endlich los zu werden und ich dankte es ihm mit einem saftigen Trinkgeld.

Da stand ich nun vor dem Schild „International Meditation Center“. Irgendwie größer habe ich es mir vorgestellt. Mit einer Mischung aus Erleichterung, Vorfreude und Unsicherheit betrat ich das  Gelände und die erste Hütte, in der ich auch direkt von einem kleinen Empfangskommitee bestehend aus zwei Nonnen und einer kleinen alten Frau, in Empfang genommen wurde. Das ganze Gelände ist sehr einfach ausgestattet und da es schon spät war, hatte keiner mehr Lust auf viele Worte. Nach einer kurzen Aklimatisierungsphase wurde mir auch schon direkt mein Zimmerchen präsentiert.

Hier im Meditationszentrum weiß man das einfach Leben noch zu schätzen und somit durfte ich meine 5 qm beziehen. Ein einfaches Bett, ein Stuhl, ein Schrank und ein naheliegendes Badezimmerhüttchen. Alles was man braucht, um sich ganz auf seinen Geist zu fokussieren.

Natürlich habe ich nichts anderes erwartet und bin zufrieden mit meinem Zimmerchen. Müde nehme ich mir vor alles weitere morgen zu erkunden.

Noch schnell das Moskitonetz ausbreiten, um dann seelig und erschöpft in einen tiefen Schlaf zu fallen, denn morgen um 5.30 Uhr geht’s er richtig los.
Bevor ich dich ein wenig mit auf mein Retreat nehme, ein paar Grundlagen vorweg. Es gibt unterschiedliche Vipassana Retreats und normalerweise ist ein strenger Zeitplan vorgegeben (siehe Foto).
Da ich mich mit engen Vorgaben doch relativ schwer tue, habe ich mich für die Option eines freien Vipassanaretreats entschieden. Dies wird immer ab Mitte des Monats angeboten und man kann sich die Zeit größtenteils selber einteilen.
Wie alles im Leben haben auch hier beide Varianten ihre Vor-  und Nachteile. Für mich war die freie Variante ein Vorteil und eine Herausforderung zugleich, da ich mir so den Tag selber strukturieren durfte, aber mich wiederum quasi auch zum meditieren zwingen musste. Denn glaub mir, deinem Verstand fallen auf einmal 100.000 Sachen ein, die er lieber tun würde, wenn es darum geht 6 Stunden täglich zu meditieren. Aber dazu später noch mehr.

Grundlegend geht es bei der buddhistischen Meditation darum sich mit der Natur des eigenen Geistes vertraut zu machen, quasi sich selbst noch besser kennen zu lernen. Um das zu erreichen wird ein ungefährer Zeitplan vorgegeben, da ich jedoch frei entscheiden konnte, sah mein Zeitplan so aus:

05:30 Uhr aufstehen/kalt duschen
06:00 Uhr Yoga im Zimmer
07:00 Uhr Dankbarkeitsminuten
07:30 Uhr Frühstück
08:30 Uhr Walking und Sitting Meditation
10:30 Uhr Freizeit (Wäsche waschen, spazieren etc.)
11:30 Uhr  Mittagessen
12:00 Uhr Mittagspause (Schläfchen, Aussicht genießen etc.)
13:30 Uhr walking und sitting meditation
17:30 Uhr Tee Pause (+trockene Cracker zum Hunger stillen)
18:00 Uhr Dahmma Talk – Buddhistische Lehre – Master Nonne
19:00 Uhr Freizeit (Lesen buddhistischer Text/Bücher)
20:30 Uhr Schlafenszeit
Ein wirklich großes Geschenk ist die Zeit die ich hier hatte.
Ich bin mir relativ sicher, dass ich noch nie so viel Zeit nur für mich selber hatte. Wenn Zeit plötzlich zum größten Luxus wird, weil du auf einmal jede Menge davon hast, dann kannst du plötzlich ganz anders mit Dingen umgehen. Anders denken und wahrnehmen.

Dieses Übermaß an Zeit führte dazu, dass ich alles viel achtsamer tun konnte und es mir leichter fiel im Moment zu leben. Wenn ich auf etwas wartete, dann kamen keine Gedanken wie: „Wo bleibt die denn, ich muss doch im Anschluss noch xy machen.“ Ich hatte plötzlich Zeit die Tasse in meiner Hand wirklich zu spüren. Die Hitze auf meiner Haut, den warmen Tee in meinem Mund. Warum ich das im Alltag nicht konnte? Hmm vielleicht weil mein Kopf schon immer bei der nächsten Aufgabe ist. Manchmal saß ich einfach eine Stunde auf dem Balkon und genoß den fantastischen Ausblick oder die langsam untergehenden Sonne. Diese Aussicht war wirklich wunderschön und hat zum Glück die doch recht harte Matratze mehr als entschädigt.

Ich genoß die Zeiten außerhalb der Meditation, umso schwerer fiel es mir in den ersten Tagen innerhalb der Meditation. Um sich besser konzentrieren zu können, gibt es hier eine extra eingerichtete Meditationshalle mit einem „Walkingmeditation Gang“ rundherum. Ich wechselte somit immer zwischen „walking and sitting meditation“. Doch es nützt alles nichts mein Verstand war wie ein aufgeweckter Affe, sprang von einem Gedanken zum nächsten und wieder zurück. „Ich könnte diesen Workshop machen…“ und „Wenn ich in Deutschland bin, dann möchte ich unbedingt wieder Brot essen.“ und „Ich wollte schon immer mal nach xy reisen, wie es da wohl aussieht.“ und immer so weiter.

Und als wäre dass nicht schon anstrengend genug, schienen meine Gedanken sich im realen Leben manifestiert zu haben, denn überall sprangen tatsächlich lebendige Affen rum. Von meinem gezwungenen Desinteresse nur noch angespornt schienen sie mit allen Mitteln zeigen zu wollen, was es heißt ein Affe zu sein.

Während des Tages ist mein innerer Antreiber super laut. Entweder er sagt mir: „Du solltest mehr meditieren, wofür bist du schließlich hier.“ oder wenn ich dann meditieren, dann kommen Sätze wie: „Was machst du hier eigentlich. In der Zeit könntest du locker an deinem Business arbeiten. Das ist jawohl dringend nötig. Aber nein, stattdessen laufen wir hier 30 Minuten im Kreis. Was soll das Ganze. Was verdammt machen wir hier.“

Na super, auch das noch. Ich habe zusätzlich zu meinem“ MONKEY MIND“ einen schizophrenen Antreiber in meinem Kopf, dem ich es unter keinen Umständen recht machen kann.

Das kann ja noch lustig werden….mal schauen wen wir da noch so alles entdecken. Du ahnst es vielleicht schon, es gab noch so einiges zu entdecken. Wobei ich fairerweise auch sagen muss, dass es von Tag zu Tag langsam, aber sicher besser wurde.

Im Buddhismus sagt man, es gibt 5 Hürden die ein daran hindern zu Meditieren und seinen Geist zur Ruhe kommen zu lassen.

  • sich schöne Dinge vorstellen und herbeisehnen
  • Das Gefühl von Wut
  • Müdigkeit
  • Ruhelosigkeit
  • Zweifel (an dem was man gerade tut)

Rate mal…. Ich hatte sie alle. Ich habe mir minutenlang vorgestellt was für ein geiles Abendbrot (Vesper oder Brotzeit, je nach dem woher du stammst) ich mir in Deutschland machen werde, war wütend über die Zeitverschwendung, konnte meine Augen kaum aufhalten und habe mich vom hundertsten ins tausendste verloren.

Tage und Stunden sind vergangen, aber ich ließ mich dennoch nicht entmutigen und blieb eisern am Ball, rund 6 Stunden am Tag nahm ich mir Zeit für die innere Einkehr. Die ersten  5 Tage waren unheimlich kräftezerrend, ich schlief viel, obwohl ich gefühlt nichts machte. Aber auch das wurde besser, mein Körper gewöhnte sich langsam an die Bedingungen (viel sitzen kombiniert mit harter Matratze) und mein Magen an das scharfe essen.

Habe ich es schon erwähnt? JEDEN Morgen und JEDEN Mittag gab es Reis mit Gemüse Variationen. Die süße srilankanische Köchin versicherte mir zwar jedes Mal, dass kein Chilli in den Speisen war. Doch die Frau verstand ihr Handwerk srilankanisch zu kochen und so schaffte sie es auch ohne Chilli das Essen scharf zu machen. Aber naja, auch das habe ich überstanden.

Ich verbrachte meine Zeit somit hauptsächlich mit schlafen und essen, wandelte in Zeitlupe wie eine Mischung aus Zombie und weißem Gespenst durch die Flure und betete mich minutenlang auf Meditstionskissen. Das alles, um meinen Geist zu erforschen. 
Jetzt kannst du dir vielleicht ein ungefähre Bild von den Rahmenbedingungen machen.
Was in mir vorging ist schwer zu beschreiben. Allgemein ist es nicht so greifbar was mit einem passiert, wenn man sich mal wirklich die Zeit gibt in sich hinein zu hören.

Ich möchte trotzdem probieren es ansatzweise zu beschreiben. Im normalen Alltag sind wir fast permanent im Reaktionmodus, wir geben uns nicht die Zeit die äußeren Einflüsse erstmal auf uns wirken zu lassen, bevor wir reagieren. Bei der Vipassana Meditation geht es darum, sich auf seinen Atem zu konzentrieren und die Gedanken und Gefühle, die hoch kommen, nur zu beobachten. Nicht „rein“ zu gehen oder etwas weiter zu denken. Es wird davon ausgegangen, dass alle Gedanken und Gefühle in ihren natürlichen Zustand der Veränderung gehen wollen, wenn wir sie lassen. Gefühle bleiben im Schnitt nicht länger als 2 min, wenn wir uns dafür entscheiden.

Bei Babys und Kindern kann man da wunderbar beobachten. Ihr Geist ist noch relativ unbelastet und sie wechseln in kürzester Zeit zwischen Freud und Leid. Sie denken nicht viel darüber nach und lassen die Gefühle kommen und gehen. Umso älter wir werden umso schwieriger fällt uns das. Dennoch haben wir immer die Wahl.

Kommen beispielsweise immer wieder die gleichen Gedanken all la: „Warum meldet er sich nicht? Er ist bestimmt mit einer anderen unterwegs.“ oder „Ich werde den Job nie bekommen, das Bewerbungsgespräch lief mies.“, dann kannst du sie beobachten und ziehen lassen ohne in die Emotion zu gehen. Wenn dann aber doch z.B. das Gefühl der Wut hoch kommt, dann solltest du es beobachten, benennen und ohne es anzunehmen oder abzulehnen weiter ziehen lassen. Dadurch würde es keine Auswirkungen auf dich und deine Reaktion haben. Es wird erst dann ein „Problem“ wenn wir die Wut „Willkommen“ heißen und mehr oder weniger bewusst, in das Gefühl rein gehen, was wiederum weitere Aktionen (Geschrei, wütende WhatsApp Nachrichten o.ä) zur Folge hat.

Jetzt denkst du vielleicht, ja wenn das so einfach wäre.

Ist es nicht. Und natürlich sollst du kein Master Monk werden, den überhaupt nichts mehr mitnimmt. Aber sich darin zu üben, sich nicht permanent von seinen Gefühlen überwältigen zu lassen, wird dein Leben um einiges vereinfachen, auch wenn es kontinuierlich Übung bedarf. Ein Versuch ist es alle mal wert! Versteh mich nicht falsch, ich finde es ist in vielen Situationen wichtig sich seiner Gefühle bewusst zu werden und manches zu „durchleben“, aber häufig herrscht auch viel zu viel Drama und unnötiges reinsteigern in den Leben mancher Menschen. Daher ist neben Meditation ein einfacher und hilfreicher Trick für den Anfang z.b. sich einen Moment Reaktionszeit auf einen Äußeren Impuls (Worte und Taten von anderen Menschen o.ä.) einzuräumen, indem man sagt:“Wie finde ich denn das?“. Mit dieser Frage gibt man sich die Möglichkeit zu überprüfen welche Gefühle kommen und sich nicht von seinen Gefühlen überwältigen zu lassen.

Ist das irgendwie verständlich? Vielleicht noch etwas anschaulicher. Du stößt dir den großen Zeh (jeder weiß das tut echt weh… oh das reimt sich sogar.) und normalerweise kommt die automatische Reaktion Wut. Wenn du es aber hin bekommst dir mit der genannten Frage: „Wie find ich denn dass?“ etwas Zeit zu verschaffen, dann kannst du wählen, ob du jetzt nicht lieber über die selbst lachen willst anstatt in die Wut rein zu gehen. So ist es letztendlich mit allen Gefühlen. Wenn wir lernen unsere Reaktion zu steuern, dann haben wir die Wahl.

Durch den Achtsamen Umgang mit Situationen ermöglichen wir uns und unserem Gehirn neue neuronale Verbindung zuknüpfen und alte automatisierte Verschaltungen zu kappen.

Den unsere Gefühle von Angst, Unzulänglichkeit und unsere Sorgen sind im Kern „nur“ Gewohnheiten und wie jeder weiß, kann man sich Gewohnheiten mit Geduld und Übung abgewöhnen.

Für mein Vipassana hatte ich mir vorher ein paar Fragen und Themen notiert. Natürlich kann man nicht 100% beeinflussen was da alles hochkommt, aber ich dachte mir eine Richtung kann nicht schaden.

Eines meiner „All time Favorit“ Themen ist Verlustangst. Die hat in meinem Empfinden verschiedene Gesichter und äußerst sich immer mal wieder anders, je nach Lust und Laune. Trotz, dass ich weiß wo sie herkommt, beschäftigt sie mich phasenweise immer noch und ich hätte mir vorgenommen, mir Zeit für dieses Thema zu nehmen.

Innerhalb der 10 Tage kamen wie bestellt und doch nicht 100% gewollt, unterschiedliche Szenarien hoch. Ich „durfte“ die Beerdigung meiner Mutter gedanklich (visuell) sehen und habe geträumt, dass mein Vater gestorben ist, um nur mal zwei zu nennen. (Sorry Mama und Papa) An dem gleichen Tag kamen in den Meditation immer wieder Bilder, Sorgen, Gefühle und Gedanken hoch. Und genau dafür habe ich das obengenannte, angewandt. Ich habe gemerkt das die Sorgen kommen, dass die Trauer da wahr. Ich habe sie benannt und ziehen lassen. Ich habe die Gedanken bemerkt und sie ziehen lassen. Denn genauso schnell wie sie kamen, gingen sie auch wieder. Wenn ich es zuließ und das habe ich. Es hat funktioniert, mehrmals. Ich habe gemerkt, dass manche belastenden Gedanken bereits automatisiert kommen, aber sie auch genauso schnell wieder gehen, wenn ich ihnen keine weitere Aufmerksamkeit schenke. Ich habe realisiert, dass wenn ich mir meiner gewohnten Gedanken, Empfindungen und Wahrnehmungen bewusst werden, sie nach und nach die Macht über mich verlieren.

Das war eine wirklich spannende Erkenntnis, die mein Alltagsleben definitiv positiv beeinflussen wird. Von dieser Erkenntnis beflügelt widmete ich mich in den weiteren Tagen den unterschiedlichsten Themen und allem was hochkam und das war einiges. Ich weiß nicht ob es an der Lektüre des Buches „Buddha und die Wissenschaft vom Glück“ lag (was wirklich sehr empfehlenswert ist) oder der Tatsache, dass ich bereits einige Tage Übung hatte, aber ab dem 8. Tag lief es richtig gut. Vermutlich war es eine Kombination aus beidem, aber es gelang mir immer länger am Stück zu meditieren und meine Gedanken und Gefühle nur zu beobachten und sie wie eine Diashow ziehen zu lassen. Eine innere Ruhe stellte sich ein und ich genoss es zeitweise richtig, einfach nur zu sein. Diese Ruhe war jedoch meist nicht von unendlicher Dauer, denn ich hatte die Rechnung ohne meinen Körper gemacht. Dieser fing nämlich nach einiger Zeit regelmäßig an zu zwicken und zu zwacken.

Diesbezüglich erzählte mir die Master Nonne bereits seit acht Tagen, ich müsse nur in den Schmerz atmen und ihn dann ziehen lassen. Dies gelte für positive und negative Gefühle. Seit acht Tage hat es nicht funktioniert. Also gut dachte ich mir am neunten Tag:“So schwer kann das doch nicht sein, schließlich ist Schmerz ja irgendwie auch nur ein Gefühl.“ Ich atmete also erneut in den Schmerz, wieder und wieder, wieder und wieder…. bis er plötzlich weg war. Ich konnte es kaum glauben und fühlte mich wie eine Zauberinnen. Eine kindliche Freude stieg in mir auf, ich ließ sie zu, hieß sie „Willkommen“, badete in meinem Triumph und da war er wieder, der Schmerz. Wie die weise Frau schon sagte, es gilt für die positiven und negativen Gefühle. Heißt man das eine „Willkommen“ so ist auch das andere nicht weit.

Fazit

Es war eine herausfordernde, spannende und gleichzeitig erholsame Zeit. Grundlegend habe ich für mich erneut erkannt, was ich vorher schon irgendwie gewusst habe.

Meine Gedanken und Emotionen kamen (und kommen) so schnell, unlogisch und unkontrolliert, sodass ich realisiert habe, dass sie nicht annähernd so dauerhaft oder real sind, wie sie mir häufig vorkommen.

Mein Geist konstruiert Geschichten, die ich nicht glauben muss und die oft durch Erfahrungen entstehen, dessen Bedeutung ich irgendwann mal interpretiert habe.

Dennoch war es sehr heilsam und ermächtigend dies so bewusst zu spüren und zu erleben. Es ist wie schon gesagt, schwer in Worte zu fassen, aber ich hoffe ich konnte dir einen ungefähren Eindruck vermitteln. Das beschriebene ist ein kleiner Ausschnitt des Ganzen und natürlich sehr individuell.

Für mich bleibt die Erkenntnis, dass es immer wieder sehr kraftvoll ist, mich damit auseinander zusetzen, warum ich so reagiere, wie ich reagiere und wovon mein Verhalten, meine Gedanken und meine Gefühle beeinflusst und gesteuert werden. Ich habe viele Antworten gefunden, auf Fragen die ich noch nicht mal kannte. Wie so oft habe ich gemerkt, dass alles was ich brauche bereits in mir ist und ich mich immer wieder daran erinnern darf. Ich darf in mich und das Leben vertrauen. Alles passiert für mich!

Darüber hinaus durfte ich natürlich auch viel über den Buddhismus lernen (schließlich musste ich ja die restliche Zeit mit irgendwas  füllen) und bin dem Ganzen noch zugetaner als vorher. Der Buddhismus ist keine Religion, sondern eher eine Art Wissenschaft darüber, wie der Geist funktioniert. Er ist sehr pragmatisch und grundlegend darauf ausgelegt zu lernen, was man tun muss, um mehr Heiterkeit, Zuversicht und Gelassenheit und weniger Sorge, Angst und Hoffnungslosigkeit in seinem Leben zu haben. Na wenn das mal kein gutes Ziel ist!

In der Lehre Buddhas, geht es auch um die Erkenntnis, dass wir schon gut, heil und vollkommen sind, genau wie wir sind. Eben perfekt, unperfekt. Und darum, dass uns innen wohnende Potential unseres Geistes zu erkennen und für uns zu nutzen. Eine sehr alltagstauglich Lehre die meist auch noch in interessante Geschichten und Metaphern verpackt wird. Ich durfte jeden Tag in den Genuss eines Dahma Talks („Wahrheit-Rede“) kommen, indem mir dir die Master Nonne anschaulich und alltagstauglich, die Lehren  Buddhas näher gebracht hat. Wir haben viel gelacht und nie hatte ich das Gefühl „belehrt“ zu werden, denn der Buddhismus setzt auch auf die eigene Erfahrung des gesagte. Genau mein Ding.

Also für mich war es ein rundum schönes und spannendes Erlebnis und ein wunderschönes Geschenk an mich selbst, einfach mal nur Zeit für mich zu haben. Ich habe mich nochmal anders kennen lernen dürfen und bin der Natur meines Geistes wieder einen Schritt näher gekommen.

Wenn du auch ins Rockhill Hermitage in Sri Lanka willst, musst du dir allerdings bewusst sein, dass die Bedingungen hier, sehr einfach und im Einklang mit der Natur sind. Dies muss man bewusst akzeptieren oder mögen. Man darf nicht empfindlich gegenüber Schmutz, Wetterbedingungen und Tieren sein. Ich habe hier Tiere in allen Größen, Farben und Formen gesehen. Von Affen, Hunden, Eichhörnchen, Ratten über Echsen, Frösche, Skorpione, Vögel bis hin zu Spinnen, Motten, Kakerlaken, Fliegen und Ameise in jeglicher Größenvariation. Wir alle haben uns irgendwie miteinander arrangiert. Leben und leben lassen!

Nach diesen 10 Tagen weiß ich auf jeden Fall mehr als sonst auch schon, die kleinen Dinge zu schätzen. Eine funktionierende Klospülung, eine weiche Matratze, eine warme Dusche und Elektrizität wann immer ich sie brauche. Dennoch bin ich einfach dankbar für die Erfahrung und dass die Mönche und Nonnen ihr Wissen so offen weitergeben und einen Raum für Begegnungen geschaffen haben.

Grundlegend kann ich es wirklich jedem empfehlen, sich mehr Zeit für und mit sich selbst zu gönnen. Nicht unbedingt gleich in Form eines Vipassana Retreats, denn natürlich ist es auch sehr herausfordernd, aber doch in irgendeiner Form.

Wenn du noch nicht so daran gewöhnt bist zu meditieren und Zeit mit dir zu verbringen, dann gibt es auch verschiedene kürzere Versionen. Darüber hinaus gibt es natürlich auch die Möglichkeit das Ganze in einer etwas komfortableren Umgebung zu machen, sodass du nicht auch noch auf weiteres, ungewohntes Terrain stößt.

Ich habe mir über ein Jahr Zeit gelassen, um mich für ein Vipassana zu entscheiden. Ich habe gewartet, bis es sich richtig angefühlt hat. Darüber hinaus meditieren ich schon seit längerer Zeit und bin es gewohnt Zeit mit mir und meinen Gedanken zu verbringen. Also lass auch du dir Zeit und fang vielleicht mit kürzeren Retreats an. Am Ende muss es sich nur für dich richtig anfühlen und du musst niemandem etwas beweisen.

Egal was du machst und in welchem Rahmen, die Zeit wird dir gut tun. Vielleicht indem Moment gefühlt nicht immer, aber ganz sicher danach. 😉

Solltest du selber Erfahrungen im Vipassana gemacht haben oder noch Fragen auftauchen, freue ich mich über eine Nachricht. Schreib mir gerne unten in die Kommentare oder melde dich per hallo@malinakorbach.com

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  1. […] Hier berichte ich von meinem 10 tägigen Vipassana Retreat! […]

  2. […] Im April 2019 habe ich das ganze noch intensiviert und mir 10 Tage nur mit mir und meiner Seele gegönnt. Ich war in Sri Lanka in einem Vipassana Meditationsretreat. Für mich war es eine herausfordernde und zugleich tolle und heilsame Erfahrung und ein unheimlicher Luxus einfach mal nur Zeit für mich und mein Innenleben zu haben. Einen ausführlich Artikel über meine Erfahrung und wie ich das Ganze gestaltet habe findest du in meinem Blog Artikel „Vipassana- ein Erfahrungsbericht“. […]

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